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Chromatisch

Chromatisch
12 NotenIntervalle:1 - 1 - 1 - 1 - 1 - 1 - 1 - 1 - 1 - 1 - 1 - 1

Über Chromatisch

Die chromatische Tonleiter enthält alle zwölf Töne der Oktave, jeden einen Halbton vom nächsten entfernt: C Des D Es E F Ges G As A B H. Sie hat weder Tonart noch eigenen Charakter.

Eine Tonleiter, die nichts auslässt

Jede andere Tonleiter bestimmt sich durch das, was sie weglässt. Dur lässt fünf Töne aus, die Pentatonik sieben, und gerade die Lücken geben jeder eine Gestalt, die das Ohr wiedererkennt. Die chromatische lässt nichts aus, also gibt es weder Lücken noch Gestalt.

Daraus folgt unmittelbar das Wesentliche: eine Tonart kann sie nicht stiften. Jeder Ton taugt zum Grundton, weil alle zwölf gleich verfügbar sind, weshalb die Skala nach Bewegung klingt und nicht nach einem Ort. Sie ist das Material, aus dem Musik gemacht wird, und keine Art, sie zu ordnen.

Wozu sie tatsächlich dient

Chromatik im Spiel ist meist kein Lauf über die Skala, sondern ein chromatischer Anlauf: ein Ton einen Halbton unter oder über dem Ziel, der auf die Zählzeit fällt. Bebop-Linien sind voll davon, und ein gut gesetzter Anlaufton wirkt mehr als ein vollständiger Aufstieg.

Die zweite Verwendung ist der Durchgangston zwischen zwei Stufen im Ganztonabstand — von C nach D über Des —, der eine Lücke füllt, ohne die Tonart zu ändern. Jenseits tonaler Musik wird die Skala zum Rohstoff der Zwölftontechnik, deren Sinn gerade darin liegt, dass kein Ton über einem anderen steht.

Schreibweise: aufwärts Kreuze, abwärts Bes

Dieselben zwölf Tonhöhen werden je nach Richtung unterschiedlich notiert. Aufwärts stehen meist Kreuze — C, Cis, D, Dis, E —, weil jeder Ton nach oben strebt; abwärts stehen Bes, weil jeder nach unten strebt.

Diese Übereinkunft ist kein Zierat. Ein Kreuz lässt das Ohr einen Anstieg erwarten, ein B einen Fall, sodass eine richtig geschriebene Linie vom Blatt lesbar bleibt; nachlässig geschrieben zwingt sie den Spieler, die Richtung aus dem Zusammenhang zu erschließen.

Auf der Gitarre und am Klavier

Auf beiden Instrumenten dient die chromatische Tonleiter als Standardaufwärmung, und zwar aus entgegengesetzten Gründen. Auf der Gitarre sind es vier Finger auf vier benachbarten Bünden im Saitenwechsel — der sparsamste Weg, jeden Finger unabhängig arbeiten zu lassen.

Am Klavier liegt die Schwierigkeit im Daumen: zwölf Töne gleichmäßig zu spielen heißt, ihn genau im richtigen Augenblick unterzusetzen, und wegen dieser Bewegung wird die Skala lange als Übung gestellt, bevor sie als Material gebraucht wird.

Das Wort hat viele andere Bedeutungen

Suchergebnisse zu chromatic beginnen selten bei der Musiktheorie. Chromatics heißt eine Band, deren Stücke in mehreren Märkten weit oben stehen, Chromatica ist ein Album von Lady Gaga samt Stadiontour, und eine chromatische Mundharmonika ist ein Instrument und keine Skala.

Abseits der Musik gehört das Wort der Farbe: es benennt Lacksortimente, einen Farbeffekt in Videosoftware und die chromatische Aberration in der Optik. Erst das Wort Tonleiter trennt die Theorie vom Rest, und selbst dann liegen die chromatischen Mediantverwandtschaften — ein harmonisches Thema — gleich daneben.

Häufige Fragen

Welche Töne enthält die chromatische Tonleiter?

Alle zwölf: C Des D Es E F Ges G As A B H. Jeder Schritt ist ein Halbton.

In welcher Tonart steht sie?

In keiner. Da sie jeden Ton enthält, wird keiner bevorzugt und keine Tonart begründet.

Wie wird sie verwendet?

Vor allem als Anlauf- und Durchgangstöne innerhalb einer anderen Tonleiter sowie als Rohstoff der Zwölftontechnik.

Warum aufwärts Kreuze und abwärts Bes?

Ein Kreuz deutet Aufwärtsbewegung an, ein B Abwärtsbewegung; die Schreibweise verrät also die Richtung der Linie.

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