Prometheus
Diese Tonleiter ist auch unter folgenden Namen bekannt: Mystic Chord Scale, Scriabin Scale.
2 - 2 - 2 - 3 - 1 - 2Über Prometheus
Die Prometheus-Leiter lautet C D E F♯ A B, jene sechs Töne, die Skrjabin in « Prometheus – Der Poem des Feuers » durchgehend verwendet. In Quarten statt in Terzen geschichtet ergeben sie seinen « mystischen Akkord », und die Leiter selbst ist eine Ganztonleiter mit genau einem verschobenen Ton.
Einen Ton von der Ganztonleiter entfernt
Man schreibe die Ganztonsammlung ab C — C D E F♯ G♯ A♯ — und verschiebe allein die fünfte Stufe, indem man G♯ nach A hinaufführt. Das Ergebnis ist C D E F♯ A B, die Prometheus-Leiter. Fünf der sechs Töne bleiben unverändert.
Diese eine Verschiebung ändert den Charakter vollständig. Die Ganztonleiter ist völlig gleichförmig und hat deshalb überhaupt kein Zentrum; bricht man ihre Symmetrie, werden alle zwölf Transpositionen von Prometheus voneinander verschieden, während die Ganztonleiter nur zwei kannte. Die Leiter behält das Schwebende und gewinnt einen Halt hinzu.
In Quarten geschichtet: der mystische Akkord
Skrjabin setzt diese Töne als C F♯ B E A D — eine Schichtung von Quarten statt der Terzen, in denen die abendländische Harmonik notiert wird. Die Quarten sind nicht gleich: eine übermäßige, eine verminderte, wieder eine übermäßige und schließlich zwei reine. Diese Mischung, nicht die Quarte an sich, gibt dem Akkord seine besondere Dichte.
Die Schichtung in Quarten wiegt schwerer, als sie klingt. Da die Notation ein aus Terzen gebautes Raster ist — die Linien des Violinschlüssels lauten E G H D F —, widersetzt sich ein in Quarten geschriebener Akkord der Lesart als Schichtung mit einem Grundton zuunterst. Genau dieser Widerstand ist der praktische Grund, weshalb seit einem Jahrhundert über ihn gestritten wird.
Was in den sechs Tönen wirklich steckt
Führt man die sechs Stufen durch unsere harmonische Analyse, ergibt sich die Familienformel 1×1: genau ein Durdreiklang (D) und genau ein Molldreiklang (Am) in der ganzen Leiter, dazu drei übermäßige und ein verminderter. Zwei Stufen tragen überhaupt keinen Standarddreiklang. Auf C — dem Ton, den Skrjabin in den Bass legt — steht weder ein Dur-, noch ein Moll-, noch ein verminderter oder übermäßiger Dreiklang, sondern allein C–E–B, ein Septklang ohne Quinte; und auf E allein eine Quartenschichtung, E–A–D.
Die übrigen Töne zerfallen in zwei Figuren. B–D–F♯ hat Abstände von 4, 4 und 4 Halbtönen: ein gleichseitiges Dreieck, das mathematisch keinen Grundton besitzt, denn Drehen ändert nichts und alle drei Ecken sind gleichwertig. A–C–E hat Abstände von 3, 4 und 5 und einen völlig eindeutigen Grundton. Die eine Hälfte dieses Klangs hat einen Grundton, die andere nicht.
Warum er so viele Namen trägt
Eine Akkordbezeichnung verlangt einen Basston, und dieser Akkord bietet deren sechs an: jede Stufe erzeugt einen vertretbaren Namen. C13♯11 von C aus, D9♭13 von D aus, B+maj7 von B aus, dazu Lesarten auf E, F♯ und A. Keine ist falsch; jede beschreibt eine andere Stufe desselben Gegenstands.
Die verbreitetste ist zugleich die unwörtlichste. C13♯11 zählt sieben Töne auf — C E G B D F♯ A —, es klingen aber nur sechs, denn das G fehlt. Keine übliche Akkordbezeichnung deckt alle sechs ab: die größte, die hineinpasst, deckt fünf ab. Der Klang fällt zwischen zwei benachbarte Größen des Vokabulars, und das ist ein schlichterer Grund als jede theoretische Streitfrage.
Häufige Fragen
Was ist die Prometheus-Leiter?
Eine Leiter aus sechs Tönen, C D E F♯ A B, benannt nach Skrjabins « Prometheus – Der Poem des Feuers », wo sie den größten Teil der Harmonik liefert. Sie heißt auch Leiter des mystischen Akkords.
Was ist Skrjabins mystischer Akkord?
Dieselben sechs Töne, in geschichteten Quarten gesetzt: C F♯ B E A D. Die Quarten sind gemischt und nicht gleichförmig — übermäßig, vermindert, übermäßig, dann zwei reine.
Warum hat der mystische Akkord so viele verschiedene Namen?
Eine Akkordbezeichnung muss einen Grundton benennen, und diese sechs Töne lassen sechs mögliche zu, von denen jeder eine gültige Bezeichnung ergibt. Die Analyse zeigt zudem, dass der Teil B–D–F♯ eine gleichseitige Figur ohne Grundton ist; die halbe Klanggestalt kann die geforderte Antwort also gar nicht liefern.
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