Powerakkord
5
0 - 7Root + perfect 5th
Über Powerakkord
Der Powerchord besteht aus zwei Tönen — Grundton und reiner Quinte —, ohne die Terz, die über Dur oder Moll entscheiden würde: über C sind das c und g, geschrieben C5. Streng genommen ist er kein Akkord, und genau dieses Fehlen hat ihn zum Klang der verzerrten Gitarre gemacht.
Zwei Töne und der Grund für die fehlende Terz
Die Formel lautet 1 – 5, in Halbtönen 0 und 7. Meist wird der Grundton eine Oktave höher verdoppelt, sodass die Figur drei Saiten braucht und weiterhin zwei verschiedene Töne enthält.
Der Grund für das Weglassen der Terz ist technisch, nicht ästhetisch. Verzerrung erzeugt aus jedem Intervall zusätzliche Summen- und Differenztöne; mit der Terz dazwischen geraten diese Zusatztöne durcheinander und der Klang wird matschig. Ohne sie bleiben einfache Verhältnisse übrig, und der Klang bleibt auch bei viel Gain definiert.
Griffe
Mit Grundton auf der A-Saite lautet der Griff x35xxx, mit Grundton auf der tiefen E-Saite liegt dieselbe Form im achten Bund. Zwei Positionen decken das gesamte Griffbrett ab, ohne dass sich der Fingersatz ändert.
Deshalb ist der Powerchord die Grundlage des Gitarrenriffs: Die Hand behält eine Form, und die Musik wechselt die Tonhöhe. Das Abdämpfen mit dem Handballen — palm mute — gehört seit den Anfängen dazu.
Weder Dur noch Moll
Ohne Terz passt der Klang in jede Umgebung: Er stört weder eine Dur- noch eine Mollmelodie. Ein ganzes Riff kann über Stufen wandern, die als Dreiklänge gespielt jedes Mal eine Entscheidung verlangen würden.
Darin liegt zugleich seine Grenze. Da er kein Tongeschlecht festlegt, erzeugt er auch keine dominantische Spannung — eine Folge von Powerchords führt nirgendwohin. Richtung entsteht dann über Melodie und Bass, nicht über die Harmonie.
Quintparallelen, einmal verboten
Der klassische Satz verbietet Quintparallelen zwischen Stimmen, weil sie die Selbständigkeit der Linien aufheben — zwei Stimmen verschmelzen zu einer Klangfläche. Das Riff einer verzerrten Gitarre besteht aus nichts anderem.
Was im vierstimmigen Satz ein Fehler ist, wird hier zum Ziel: Es sollen gar keine selbständigen Stimmen entstehen, sondern eine einzige, dicke Linie. Die Regel und ihre Umkehrung beschreiben denselben akustischen Sachverhalt.
Notation
Üblich ist die 5 hinter dem Buchstaben: C5, G5, A5. In deutschen Griffbildern steht gelegentlich einfach der Durakkord, und der Gitarrist entscheidet, ob er die Terz spielt — bei verzerrtem Klang lautet die Antwort fast immer nein.
In Transkriptionen von Rockstücken findet man häufig nur den Buchstaben, weil der Bearbeiter die Basslinie beziffert hat. Als Faustregel gilt: verzerrte Gitarre mit zwei Tönen pro Akkord ist ein Powerchord, auch wenn das Papier schweigt.
Häufige Fragen
Ist der Powerchord Dur oder Moll?
Weder noch. Er enthält nur Grundton und Quinte; die Terz, die das Tongeschlecht bestimmt, fehlt.
Wie greift man C5?
x35xxx mit Grundton auf der A-Saite, fast immer mit verdoppeltem Grundton in der Oktave.
Warum funktioniert er so gut mit Verzerrung?
Weil Verzerrung aus jedem Intervall Zusatztöne erzeugt. Ohne Terz verstärken diese den Klang, statt ihn zu verwischen.