Noten lesen
Notennamen: Buchstaben, Silben und warum H nicht B ist
Derselbe Ton trägt zwei Namen: einen Buchstaben — A, H, C — und eine Silbe — la, si, do. Der deutschsprachige Raum nennt die Töne mit Buchstaben, Italien, Frankreich, Spanien, Russland, Japan und Korea mit Silben. Beide meinen denselben Klang, und schwierig wird es genau dort, wo die Systeme einander widersprechen.
Diese Seite gehört zum Leitfaden Noten lesen.
Zwei Namensreihen für einen Klang
Die Buchstabenreihe lautet A, H, C, D, E, F, G. Die Silbenreihe lautet do, re, mi, fa, sol, la, si. Nebeneinandergestellt heisst das: C ist do, D ist re, E ist mi, F ist fa, G ist sol, A ist la, H ist si.
Diese Zeile löst den grössten Teil der Verwirrung. Drei Stellen bleiben, an denen die Systeme wirklich auseinandergehen — und jede kostet irgendwann einen falschen Ton.
H, B und der englische Sonderfall
Im deutschen Sprachraum heisst der Ton über A eben H, und der Buchstabe B bezeichnet den um einen Halbton tieferen Ton — im Englischen B flat. In englischen und romanischen Ausgaben steht dagegen B für unser H, und für unser B schreibt man dort B flat oder B♭.
Der Ursprung liegt in mittelalterlicher Schreibpraxis: die tiefere Form wurde als rundes, weiches b notiert, die höhere als eckiges, hartes b, das später als h gelesen wurde. Bachs Name ergibt in diesem System eine Melodie — B, A, C, H —, die nur mit den deutschen Buchstaben funktioniert.
⚠️ Wer aus internationalen Ausgaben spielt oder Akkordsymbole liest, muss die Umrechnung kennen: dort gemeintes B ist unser H.
Kreuz und B im Namen: -is und -es
Die deutschen Notennamen tragen die Alteration im Wort. Ein Kreuz hängt -is an, ein B hängt -es an: Cis ist c mit Kreuz, Fis ist f mit Kreuz, Es ist e mit b, As ist a mit b. Aus Vokalgründen fallen einige Formen kürzer aus — Es statt Ees, As statt Aes, B statt Hes.
Romanische Sprachen lösen dasselbe mit eigenen Wörtern: do diesis, mi bemolle. Englisch sagt C sharp und E flat. Die Sache ist identisch, nur die Verpackung unterscheidet sich.
Woher die Buchstaben kommen
Buchstaben standen zuerst in der Theorie: mittelalterliche Schreiber bezeichneten die Töne der Skala mit den ersten Buchstaben des Alphabets. Die Reihe beginnt bei A, weil a der Bezugston war — bis heute stimmt das Orchester nach a.
Daher die scheinbare Ungereimtheit, dass das Alphabet bei A beginnt, die erste gelernte Tonleiter aber bei C: Buchstaben benennen Tonhöhen, nicht Stufen.
Woher do, re, mi kommen
Die Silben stammen von Guido von Arezzo aus dem 11. Jahrhundert. Er nahm einen Hymnus, dessen Zeilen jeweils eine Stufe höher einsetzten, und benannte die Töne nach den Anfangssilben der Zeilen: ut, re, mi, fa, sol, la. Später wurde aus ut das do, und für die siebte Stufe kam si dazu.
Das System entstand für den Gesang, nicht für die Schrift — und für die Stimme funktioniert es bis heute besser als Buchstaben.
Festes und bewegliches do
In Italien, Frankreich, Spanien und Russland ist do eine Tonhöhe: do ist immer c, gleich in welcher Tonart das Stück steht. In der englischsprachigen Solfège-Praxis ist do dagegen eine Stufe: do ist der Grundton der jeweiligen Tonart, in G-Dur also g.
Zwei Musiker können deshalb do sagen und Verschiedenes meinen. Beides ist richtig: Das feste System benennt absolute Höhe, das bewegliche die Funktion — und Sänger transponieren mit dem beweglichen leichter, weil die Silbe der Stufe folgt und nicht der Tonart.
Wie es weitergeht
Der Name nennt die Tonhöhe; wo sie im System liegt, entscheidet das Zeichen am Zeilenanfang — siehe Notenschlüssel. Die Dauer ist eine eigene Sache: Notenwerte.
Häufige Fragen
Wie heissen die Noten?
In Buchstaben: A, H, C, D, E, F, G. In Silben: do, re, mi, fa, sol, la, si. Die Zuordnung ist eindeutig — C ist do, D ist re, und H entspricht dem si beziehungsweise dem englischen B.
Warum heisst der Ton H und nicht B?
Weil im deutschen Sprachraum H den Ton bezeichnet, den das englische System B nennt, und B bei uns für den um einen Halbton tieferen Ton steht. Der Unterschied stammt aus der mittelalterlichen Notenschrift mit rundem und eckigem b.
Was bedeutet Cis, Es oder As?
Die Endung nennt die Alteration: -is bedeutet Kreuz, -es bedeutet b. Cis ist also c mit Kreuz, Es ist e mit b, As ist a mit b. Einige Formen sind aus Sprachgründen verkürzt, etwa Es statt Ees.
Ist do immer c?
Im festen do — üblich in Italien, Frankreich, Spanien und Russland — ja. Im beweglichen do, verbreitet im englischsprachigen Unterricht, ist do der Grundton der aktuellen Tonart, in G-Dur also g.
Wie lese ich Akkordsymbole aus englischen Ausgaben?
Rechnen Sie B in H um: ein dort notiertes Bm ist unser h-Moll, und Bb oder B♭ entspricht unserem B. Alles Übrige stimmt überein — C, D, E, F, G und A bedeuten in beiden Systemen dasselbe.
Welches System sollte ich lernen?
Das am eigenen Ort übliche, und das andere so weit, dass Sie umrechnen können. Noten, Lehrende und Aufnahmen überschreiten Grenzen: zu wissen, dass si, H und das englische B derselbe Ton sind, kostet einen Abend.
Den Namen hören, den Ton sehen
Schreiben Sie eine Zeile im Studio und beobachten Sie denselben Ton im Notensystem, auf der Klaviatur und auf dem Griffbrett. Die Namen unterscheiden sich zwischen den Traditionen, der Klang nicht.