Neapolitanisch Dur
Skalen in dieser Familie: 7
Die neapolitanische Durtonleiter ist das phrygische Modus mit erhöhter sechster und siebter Stufe: c des es f g a h. Erniedrigt bleibt allein die Sekunde, und so entsteht eine Leiter, die wie Phrygisch beginnt und wie melodisch Moll endet: unten dunkel, oben offen.
Ein erniedrigter Ton in heller Umgebung
Vergleicht man sie mit melodisch Moll, beträgt der Unterschied genau eine Stufe: die um einen Halbton gesenkte Sekunde. Alles darüber — kleine Terz, große Sexte, große Septime — gehört zum Klang des Jazz-Moll. Die Leiter ist damit weniger exotisch, als ihr Name verspricht, und liegt näher an Material, das viele schon beherrschen.
Dieser eine Ton leistet allerdings viel. Er steht einen Halbton über der Tonika, sodass jede Melodie, die ihn berührt, stark auf das Zuhause drückt, und er liefert zugleich den Durdreiklang auf der erniedrigten zweiten Stufe — jenen neapolitanischen Akkord, der beiden Leitern den Namen gab.
Der Name und der Akkord dahinter
Der neapolitanische Sextakkord ist der Durdreiklang auf der erniedrigten Sekunde, üblich in erster Umkehrung direkt vor der Dominante. Er war ein Lieblingsmittel der neapolitanischen Schule des achtzehnten Jahrhunderts, und der Begriff wurde später auf jede Leiter ausgedehnt, die diesen Akkord enthält. Die Benennung ist nachträglich: Verwendet wurde der Akkord, nicht die Leiter.
Das ändert den besten Zugang. Statt eines Griffbildes lernt man besser die Verbindung — Molltonika, Durakkord auf der erniedrigten Sekunde, Dominante, Tonika — und lässt die Leiter beschreiben, was eine Melodie darüber tun kann. In dieser Reihenfolge ist das Material tatsächlich entstanden.
Im Vergleich zur Mollschwester
Neapolitanisch Moll behält die erniedrigte Sexte, wodurch zwischen sechster und siebter Stufe die übermäßige Sekunde entsteht und der Charakter deutlich schwerer wird. Die Durfassung entfernt sie, und die obere Hälfte verläuft in Ganz- und Halbtönen wie eine gewöhnliche Leiter.
Austauschbar sind die beiden deshalb nicht. Die Mollfassung wirkt zeremoniell, fast altertümlich, die Durfassung unruhig, aber modern; eine gegen die andere zu tauschen verändert die Stelle, statt sie einzufärben.
Wo sie vorkommt
Ein Repertoire in dieser Tonleiter gibt es nicht, und die ehrliche Beschreibung lautet: Sie ist eine Farbe, keine Tonart. Man findet sie in der Filmmusik, wenn Spannung lange unaufgelöst bleiben soll, im progressiven Metal und in den Übungsheften derer, die alterierte Leitern systematisch durchgehen.
Am praktischsten ist sie über einem Mollakkord an einer Stelle, die einen Takt Instabilität verlangt. Setzen Sie die erniedrigte Sekunde auf eine leichte Zählzeit, lassen Sie große Sexte und Septime darüber aufgehen, und der Takt klingt fremd, ohne falsch zu klingen.
Häufige Fragen
Was ist die neapolitanische Durtonleiter?
Phrygisch mit erhöhter sechster und siebter Stufe: c des es f g a h.
Wie nah ist sie an melodisch Moll?
Einen Ton entfernt: melodisch Moll mit erniedrigter Sekunde.
Gibt es Musik in dieser Tonleiter?
Nicht als Tonart. Sie dient als Farbe, vor allem in Filmmusik und Metal, und als Übungsmaterial für alterierte Leitern.