Doppelt Harmonisch
Skalen in dieser Familie: 7
Die doppelt harmonische Tonleiter ist eine Durtonleiter mit erniedrigter zweiter und sechster Stufe: c des e f g as h. Der Name hält fest, was sie besonders macht — sie enthält zwei übermäßige Sekunden statt der einen von harmonisch Moll, und diese beiden Sprünge über drei Halbtöne geben der Familie ihren sofort erkennbaren Klang.
Zwei übermäßige Sekunden und ihre Lage
Von c aus gelesen liegen die Sprünge zwischen des und e sowie zwischen as und h. Beide sind drei Halbtöne weit, beide von Halbtonschritten umgeben, und der Wechsel von sehr engen und sehr weiten Schritten ist das, was das Ohr zuerst aufnimmt. Harmonisch Moll klingt mit einem solchen Sprung bereits eigen; die Verdopplung ergibt eine Leiter, die sich mit nichts verwechseln lässt.
Die Stammleiter hat sieben Modi, und einer wird weit häufiger benutzt als die übrigen: das ungarische Moll, gelesen von der vierten Stufe, also harmonisch Moll mit erhöhter Quarte. Es trägt dieselben zwei Sprünge im Mollzusammenhang, weshalb beide Leitern ständig verwechselt werden — der Tonvorrat ist derselbe, verschieden ist nur der Grundton.
Warum der alte deutsche Name nicht mehr benutzt wird
In älteren Schulen steht für diese Leiter das Wort Zigeunertonleiter. Es sollte nicht weiterverwendet werden, und zwar aus zwei voneinander unabhängigen Gründen. Erstens ist es eine Fremdbezeichnung, die viele Sinti und Roma ablehnen. Zweitens stimmt die musikalische Behauptung nicht: Das gemeinte ungarische Repertoire ist der Verbunkos, ein städtischer Stil mit namentlich bekannten Komponisten.
Die genauen Begriffe kosten nichts. Ungarisch Moll für den vierten Modus, doppelt harmonisch Dur für die Stammleiter. Auch die Etiketten byzantinisch, arabisch und orientalisch zeigen jeweils auf eine reale Tradition und beschreiben sie falsch — nützlich als Suchwort, unbrauchbar als Beschreibung.
Wo sie wirklich vorkommt
In der arabischen Maqam-Praxis entspricht ihr Hijaz-Kar, und zwar Stufe für Stufe. Das ist eine echte Übereinstimmung und keine Annäherung; deshalb trägt diese Leiter auf Gitarre und Klavier eine glaubwürdige Farbe, während benachbarte Maqams auf diesen Instrumenten überhaupt nicht darstellbar sind.
In die europäische Kunstmusik kam sie über den ungarischen Verbunkos und dessen Rezeption im neunzehnten Jahrhundert, bei Liszt an prominentester Stelle. Von dort wanderte sie in die Filmmusik und viel später in den Metal, wo die beiden übermäßigen Sekunden genau das leisten, was sie schon damals leisteten: einen Ort anzuzeigen, der nicht hier ist.
Die Akkorde, die daraus entstehen
In Terzen geschichtet ergibt sich ein ungewohnter Satz: Durtonika, ein Durakkord auf der erniedrigten zweiten Stufe, ein Mollakkord auf der vierten und ein verminderter Dreiklang auf der fünften. Der letzte ist die Überraschung — die Dominantstufe trägt keinen Dominantakkord —, und deshalb bewegt sich Musik in dieser Leiter zwischen der Tonika und dem Akkord einen Halbton darüber, statt eine Kadenz zu bilden.
Diese Zweiakkordbewegung ist der praktische Kern des Klangs. Loopen Sie C-Dur nach Des-Dur und improvisieren Sie mit der Leiter darüber: Die Harmonie hält die Tonika fest, während die erniedrigte Sekunde dagegenzieht, und die ganze Farbe der Familie wird in zwei Takten hörbar, ohne jede melodische Anstrengung.
Wie man sie spielt
Auf der Gitarre sprengen die beiden Sprünge die übliche Drei-Töne-pro-Saite-Logik, weil ein Schritt von drei Halbtönen unmittelbar neben einem Halbtonschritt liegt. Wer sie zum ersten Mal greift, landet meist bei einer Dehnung, die sich falsch anfühlt; üblich ist, pro Oktave einen Lagenwechsel zu akzeptieren statt zu dehnen — und diesen Wechsel in jeder Oktave an dieselbe Stelle zu legen.
Am Klavier ist die Leiter leichter zu spielen als zu verwenden. Die Versuchung, sie schnell durchlaufen zu lassen, macht aus den Sprüngen Verzierung und tilgt sie. Langsam und über einem Bordun hört man, was die Intervalle tatsächlich tun — und genau so wird dieses Material in den Traditionen gespielt, aus denen es stammt.
Häufige Fragen
Was ist die doppelt harmonische Tonleiter?
Eine Durtonleiter mit erniedrigter zweiter und sechster Stufe: c des e f g as h. Sie enthält zwei übermäßige Sekunden.
Worin unterscheidet sie sich vom ungarischen Moll?
Es ist derselbe Tonvorrat von einer anderen Stufe gelesen. Ungarisch Moll ist der vierte Modus: harmonisch Moll mit erhöhter Quarte.
Warum heißt sie nicht mehr Zigeunertonleiter?
Der Begriff ist eine abgelehnte Fremdbezeichnung, und die musikalische Zuschreibung stimmt nicht: gemeint ist der ungarische Verbunkos.