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Melodisch Moll

Skalen in dieser Familie: 7

Melodisch Moll ist das natürliche Moll mit erhöhter sechster und siebter Stufe. In a ergibt das a h c d e fis gis — eine kleine Terz über dem, was sonst eine Durtonleiter ist. Die klassische Praxis erhöht beide Töne nur aufwärts, der Jazz behält sie in beide Richtungen, weshalb dieselbe Leiter auch Jazz-Moll heißt.

Zwei Bedeutungen desselben Namens

Im klassischen Satz löst diese Leiter ein melodisches Problem. Harmonisch Moll hat zwischen sechster und siebter Stufe einen sperrigen Schritt von drei Halbtönen, also erhöhte man beim Aufstieg zur Tonika auch die Sexte und nahm abwärts beide Töne zurück. Die Leiter beschreibt damit eine Gewohnheit der Stimmführung und keinen festen Tonvorrat.

Der Jazz übernahm die aufsteigende Form und benutzt sie in beide Richtungen. Diese eine Entscheidung macht sie zu einer eigenständigen Leiter mit eigener Harmonik: ein Ton Abstand zu Dur, ein Ton zu harmonisch Moll, und darin Intervalle, die in keinem anderen Siebentonvorrat vorkommen. Jede Erwähnung von melodisch Moll im Jazzkontext meint diese Fassung, und das Verwechseln beider Definitionen ist die häufigste Verwirrung um sie.

Die alterierte Tonleiter — ihretwegen lernt man die Familie

Die siebte Stufe ergibt die alterierte Tonleiter, auch superlokrisch genannt. Über einem Dominantakkord liefert sie sämtliche Alterationen auf einmal — kleine und übermäßige None, übermäßige Undezime und kleine Tredezime — und wurde damit zur Standardwahl für eine Dominante, die nach Moll auflöst.

Die praktische Abkürzung lohnt das Auswendiglernen: Um über einen Dominantakkord alteriert zu spielen, nehmen Sie die melodische Molltonleiter einen Halbton über dessen Grundton. Über G7 ist das as-melodisch-Moll. Ein neuer Fingersatz ist nicht nötig; die ganze Technik besteht darin zu wissen, welche Stammleiter zu greifen ist, und zu hören, wohin sie sich auflöst.

Lydisch dominant und die übrigen Modi

Der vierte Modus, lydisch dominant, ist das zweite Arbeitspferd der Familie: ein Dominantakkord mit erhöhter Quarte und großer Tredezime, also der Klang einer Dominante, die sich nicht auflösen will. Er passt zu Tritonussubstitutionen ebenso wie zu den stehenden Dominantflächen des modalen Jazz und der Filmmusik.

Die übrigen Modi — dorisch b2, lydisch übermäßig, mixolydisch b6 und lokrisch mit großer Sekunde — werden gezielter eingesetzt. Der letzte verdient eine Erwähnung: Er liegt auf einem halbverminderten Akkord und klingt deutlich weniger düster als reines Lokrisch, weil die zweite Stufe nicht mehr einen Halbton über dem Grundton steht.

Wie sie tatsächlich verwendet wird

Melodisch Moll wirkt selten als Tonart, wie Dur und Moll es tun. Angewendet wird sie akkordweise: alteriert über der Dominante, lydisch dominant über einer nicht auflösenden Dominante, die Stammleiter selbst über einem Moll-Major-Septakkord. Ein ganzes Stück darin zu schreiben klingt meist nach Übung, denn eine eigene starke Kadenz besitzt die Leiter nicht.

Damit ist sie die erste Tonleiter, bei der das Wissen um die Akkordfunktion wichtiger ist als das Wissen um Griffbilder. Wer nicht hört, ob die Dominante vor ihm auflöst, kann zwischen alteriert und lydisch dominant nicht wählen — beide kommen aus derselben Stammleiter. Gehörarbeit an dieser einen Frage bringt der Improvisation mehr als eine weitere Woche Mustertraining.

Wie man sie übt

Gehen Sie von Bekanntem aus, nicht von der Formel. Spielen Sie eine Durtonleiter und senken Sie nur die Terz — das ist melodisch Moll. Dann spielen Sie harmonisch Moll und erhöhen nur die Sexte: dasselbe Ergebnis auf anderem Weg. Zwei solche Vergleiche in einer Übeeinheit vermitteln den Klang schneller als jede Intervalltabelle.

Danach üben Sie die Leiter als Antwort auf einen Akkord. Loopen Sie ein G7 und spielen Sie as-melodisch-Moll darüber, dann loopen Sie ein G7, das nach C-Dur auflöst, und hören Sie, wie viel Spannung dieselben Töne erzeugen. Auf der Gitarre verschiebt sich die Form wie jede andere; die Schwierigkeit liegt vollständig in der Wahl der richtigen Stammleiter im richtigen Moment.

Häufige Fragen

Was ist melodisch Moll?

Natürliches Moll mit erhöhter sechster und siebter Stufe. In a: a h c d e fis gis.

Wie spielt man die alterierte Tonleiter?

Über einem Dominantakkord die melodische Molltonleiter einen Halbton über dessen Grundton — über G7 also as-melodisch-Moll.

Warum definieren Klassik und Jazz sie unterschiedlich?

Die Klassik erhöht beide Töne nur aufwärts und nimmt sie abwärts zurück, der Jazz behält sie in beide Richtungen. Letzteres heißt Jazz-Moll.

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